Das große Warten auf die Fähre nach Aqtau (Kasachstan)

Wie bereits im Beitrag „Azerbaijan 2“ geschrieben, haben wir bei der Fahrt nach Baku Tickets für die Fähre über das Kaspische Meer gekauft. Da ich mich bereits Monate davor mit diesem Thema beschäftigt habe, wusste ich worauf wir uns einlassen.

Die Betreiber der Fähre haben sich prinzipiell auf den Transport von Güterzügen und LKWs spezialisiert, weshalb die offiziellen Informationen für den Transport von Touristen und ihren Motorrädern ziemlich spärlich ausfallen. Jede Information die wir vorab hatten, bezog sich auf Berichte von anderen Reisenden die ihre Erfahrungen im Internet teilten. Der Inhalt dieser Berichte war zum größten Teil ident:

  • Kein Zeitplan (wenn die Fähre da ist, wird sie beladen und dann fährt sie wieder)
  • Abfahrtsintervall 1 – 2x die Woche
  • Passt das Wetter nicht, dann bleibt die Fähre mit den Passagieren am Meer; bis zu 13 Tage!!!

Nun zu meinen Erfahrungen:

Wir haben unsere Tickets bei einem Agenten gekauft, welcher anbietet dass er seine Kunden 2 Stunden vor dem Einlaufen des Schiffs telefonisch informiert. Weiters kümmert er sich um die Zoll- und Ausreise-Formalitäten, was mit viel zeitlichen Aufwand verbunden wäre. Die Frage nach dem wahrscheinlichen Abfahrtstermin beantwortete er freundlich mit „Maybe tomorrow“.

„Maybe tomorrow“ hörten wir dann schlussendlich 3 Tage in Folge, bis dann am Mittwoch den 24.7. gegen 7 Uhr früh der ersehnte Anruf kam, dass das Schiff in 2 Stunden anlegen wird. Gegen halb 10 waren wir am Hafen südlich von Baku wo es erstmal wieder Warten hieß. Die Zeit verging sehr schnell, da immer mehr europäische und amerikanische Backpacker, Fahrrad- und Motorradfahrer eintrafen und man schnell in Gespräche verwickelt wurde. Eines schon vorweg: im Laufe der nächsten 30 Stunden entstanden richtig nette Bekanntschaften und alle 12 Motorradfahrer tauschen nun in einer gemeinsamen WhatsApp-Gruppe Informationen und Fotos aus.

Nach dem chaotischen Safety Check des Reisegepäcks und Überprüfung der Dokumente durften wir endlich aufs Schiff. Nach dem Parken und Sichern der Motorräder konnten wir endlich an Deck gehen und uns um unsere Kabinen kümmern. Wie in den Berichten beschrieben, ist das Schiff aus Sowjetzeiten und auf den Komfort der Passagiere wird wenig wert gelegt. Die Zimmereinteilung war chaotisch, weshalb wir auch mit der 4er Kabine ohne Bad, anstatt den gebuchten Einzelzimmer mit Bad, zufrieden waren. (Zimmerkollegen waren Dominique und Oliver, die mit ihren Motorrädern von Berlin nach Bali fahren, wo sie seit mehr als 25 Jahren als Architekten arbeiten).

Das Schiff, die „Professor Gül“, legte dann schlussendlich um 19:30 in Richtung Kasachstan ab. Gegen 20 Uhr gab es auch schon Essensausgabe in der Küche für alle Passagiere (80% LKW Fahrer und 20% Touristen). Wie im Internet beschrieben, war die erste Hauptmahlzeit gekochtes Huhn mit Kartoffeln und am nächsten Tag gebratenes Huhn mit Nudeln und zum Abendessen gebratenes Huhn mit Reis.

Da es am Schiff keine nennenswerten Sicherheitsvorkehrungen gibt, konnte sich jeder frei bewegen. Deshalb begutachtete ich gemeinsam mit Osvaldo sogar den Motorenraum und diverse andere Räume.

Die Überfahrt war neben den vielen netten und interessanten Gesprächen ziemlich unspektakulär.

Ca. 24 Stunden nach dem Ablegen lief das Schiff in den brandneuen Hafen von Aqutau ein. Leider bedeutete das nicht, dass wir das Schiff verlassen durften, denn es kamen Soldaten, ein Schäferhund und 2 Beamte mit Koffern an Board. Es dauerte fast 3 Stunden, bis die Soldaten beliebiges Gepäck durchsucht haben und die beiden Beamten jeden einzelnen Passagier in ihrem mobilen Büro registriert und fotografiert haben. Für uns war es das Wichtigste, dass wir einen Zettel mit sechs Stempeln erhalten haben, der uns zum Verlassen des Hafens berechtigte.

Leider stellte sich am Hafentor heraus, dass die sechs Stempel nicht ausreichend sind und sogar neun benötigt werden. Wo diese zuätzlichen drei Stempel verteilt werden, war aber niemandem bekannt. Die Antwort: Bezahlen der „Bridge Free“ = 1 Stempel, Fahrzeugregistrierung = 1 Stempel , Sicherheitscheck = 1 Stempel. Die ganze Angelegenheit dauerte mehr als 2 Stunden und kann mit der Suche des Passierscheins A38 bei „Asterix erobert Rom“ verglichen werden 😂.

Mitten in der Nacht wurden wir in die kasachische Wüste entlassen – um 3 Uhr in der Nacht.

Weiter gehts im nächsten Beitrag „Kasachstan“

Warten auf die Fähre…
…endlich dürfen wir rauf
der Laderaum
5* Luxuskabine

Sonnenuntergang

Rettungsboot
an Deck

Platz an der Bar ergattert

Der besagte „Stempelpass“
Essen 1, Essen 2 und Essen 3

Anlegen in Aqtau/Kasachstan

3 Kommentare

  1. Ich habe mir schon Sorgen gemacht,so lange nichts gesehen (Beitrag). Wenigstens der Routenverlauf konnte angezeigt werde.Bisher habe ich nur das Handy benutzt, aber jetzt hab ich auf den PC gewechselt (???!!!???).Viel komfortabler,aber nicht überall dabei. Heute am Vormittag 22°C, da hab ich den Rasen gemäht.1 1/2 Stunden. Dabei ist die Sonne rausgekommen >>>nahezu 30°C. Jetzt am Abend gewittert und regnet es rundherum, aber auf die frisch gemähte Wiese fällt kein Tropfen. R&R sind schon auf die nächsten Beiträge gespannt und wünschen alles, alles Gute für die Weiterfahrt.

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  2. Soooo lange keine Meldung, keine neue Position!!!!!???? Bist du ab jetzt alleine? Wir hoffen dass dir nichts passiert ist. All Gute R&R

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    • Hallo R&R,
      Wir sind nach wie vor zu zweit unterwegs. Etappenweise sogar zu viert oder fünft.

      Der Standort verändert sich nun langsamer, da wir uns in Nukus, Buchara und Samarkand je zwischen 1 und 2 Tage Pause gegönnt haben.

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