Usbekistan #1 (viele Kamele aber kein Benzin)

Der Grenzübergang zwischen Kasachstan und Usbekistan war entgegen den Informationen aus dem Internet, mühsam und zeitintensiv. Obwohl wir die Prozedur bereits kannten, mussten wir unzählige bürokratische Hürden über uns ergehen lassen bis wir endlich nach Usbekistan einreisen durften. Die Tatsache, dass wir 7 befreundete Motorradfahrer waren, erleichterte die Sache, da wir uns über die Vorgänge unterhalten und amüsieren konnten.

Als Highlight dieses Grenzübergangs kann ich meine erste Wattdurchfahrt mit dem Motorrad, durch ca. 30cm tiefes Wasser nennen. (Noch im Transit gab es eine ca. 3 Meter breite und gemauerte Grube, durch die jedes Fahrzeug fahren musste. Unsere Vermutung war, dass es sich um einen Seuchenteppich handelt, der die Fahrzeuge desinfizieren soll. …Ich traue mich mit 99 %-iger Sicherheit sagen, dass diese Brühe die letzen Jahre gar nichts desinfiziert hat!).

Die letzte Hürde vor der Einreise nach Usbekistan war die Kontrolle unserer Fahrzeuge und des Gepäcks. Dazu kamen drei bewaffnete Polizisten mit Spürhund auf unsere Gruppe zu. Wir alle mussten unsere Pässe (zum fünften Mal innerhalb von 2 Stunden) an diese Personen überreichen um uns einzeln überprüfen zu lassen. Erst nach positiver Überprüfung bekamen wir die Pässe wieder.

Als einer der Polizisten die beiden Reisepässe von Daniela und Wolfgang in Händen hielt, stellte er ihnen freudestrahlend den mitgeführten Schäferhund vor: „He is also from Deutschland“. Jeder der sich jetzt einen professionellen Kommissar Rex vorstellt, liegt falsch! Der Hund ist von Person zu Person gegangen und hat sich hingesetzt und mit großen Augen gebettelt. Erst als er kapierte , dass er nichts von uns zu Essen bekommt, hat er sich in den Schatten eines Autos verzogen und geschlafen. Die weitere Kontrolle verlief relativ zügig : 2x Koffer aufmachen, kurz erklären wo man her ist, was man macht, wieviele Kinder man hat und wie schnell das Motorrad fahren kann. (diese Fragen hören wir täglich zwischen 2 und 10 mal). – Usbekistan here we are!

Die Reise quer durch das Land ist vergleichbar mit Kasachstan: Viel Wüste und wenig Abwechslung 🐪 🐫 ☀️

Auch hier ist die Infrastruktur mit Benzin-Tankstellen schlecht. Dies kann durchaus spannend werden, wenn die reguläre Tankreichweite des Motorrades ca. 300km beträgt, aber die Tankstellen 400km voneinander entfernt sind. Trotz Reserveflaschen stellte sich heraus, dass manche, der in den Karten eingezeichneten Tankstellen, seit Jahren nichts mehr verkauft.

kein Benzin in der Wüste?

(27.7.2019)

Es war bereits gegen 20 Uhr und Autos bzw. LKWs zogen nurmehr im 20 Minuten Takt an uns vorbei. Die nächste im GPS markierte Tankstelle war 120km entfernt. Mein Vorschlag an Osvaldo lautete:

  1. Das gesamte Restbenzin kommt in meinen Tank (waren eh nur meine 4 Liter, da er seine PET Flaschen bereits vor einer Stunde in seine GS gefüllt hat).
  • Wir fahren mit 70km/h, um bei Helligkeit eine Tankstelle zu erreichen.
  • Er bleibt dicht hinter mir, damit ich sehe, wenn ihm der Sprit ausgeht.
  • Falls sein Motorrad keinen Treibstoff mehr hat, stoppe ich, setze einen Wegpunkt am GPS und lasse beide Seitenkoffer an dieser Position stehen. Mein Wasser, Zelt und die Schlafsachen bleiben bei mir am Fahrzeug).
  • Ich fahre bis zur nächsten Tankstelle und bringe ihm den erforderlichen Treibstoff in meinen Kanistern. Oder ggf. zuerst per Autostop.

Wir setzten wir den Plan sofort in die Tat um und fuhren mit mulmigem Bauchgefühl los…

Als uns nach einigen Kilometern ein Kleinwagen überholte, konnte ich an Osvaldo’s Lichthupe erkennen, dass er nicht sehr erfreut war, dass ich dem Auto mit 120 km/h folgte und dieses anschließend auch noch mit Vollgas überholte.

Der Hintergrund meines Manövers: Ich erkannte dass der alte Kleinwagen ein Kennzeichen aus den Niederlanden hatte und es sich daher ziemlich sicher um einen Teilnehmer der Mongol-Rallye handelt. Durch das Überholen und anschließende Fahren mit Warnblinker, hielt das Fahrzeug an und ich erklärte Situation.

Wie erwartet verstand das holländische Pärchen (Saskia und Bas) die Situation und war sofort einverstanden, mir mit Ihrem Renault 5 zu folgen. Für den Fall, dass mir der Treibstoff ausgehen würde, hätten sie mich bis zur nächsten Tankstelle mitgenommen.

Gottseidank kam es nicht soweit, denn wir erreichten bereits nach wenigen Kilometern eine nicht eingezeichnete Tankstelle (Garmin OSM GPS, MAPS.ME und ioverlander App), wo wir sogar Benzin mit angeblich 91 Oktan erhielten.

Nach dem Tankstopp erfolgte ein nettes Gespräch

Jedes Jahr führt die Mongol-Rally von Tschechien in die Mongolei

Groß ist die Freude über Benzin, auch wenn dieses nur 80 Oktan hat

Usbekistan wird vermutlich eines der am detailliertesten beschriebenen Länder in diesem Rieseblog sein. Grund dafür ist, dass Kerstin (meine Freundin) ab dem 17. August ebenfalls in Usbekistan sein wird und wir gemeinsam eine geführte Studienreise (8 Tage) in diesem Land unternehmen werden. Mein derzeitiger Bericht hält sich sehr in Grenzen, da ich die Oasenstädte, wie Xiva, Buchara und Samarkand zwar besucht habe, diese aber im wesentlichen zum Essen, Schlafen und Tanken genutzt habe. Ganz ließ es sich nicht vermeiden die Sehenswürdigkeiten zu bestaunen, da diese teilweise einfach am Weg bzw. gleich neben dem Guest-House lagen.

Ein Kommentar

  1. Danke für den erneuten Bericht und fein, dass es mit dem Sprit klappte. Das Treffen
    mit Kerstin ist für uns neu, aber du wirst berichten. Lb Grüße R&R

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